Jahresbericht 2009

"Werte leben. Werte schaffen."

Der Jahrebericht 2009 des RWGVs steht unter der Überschrift "Werte leben. Werte schaffen." In Ihrem Vorwort machen Hans Pfeifer und Moritz Krawinkel deutlich: "Gut, dass es Genossenschaften gibt! Die genossenschaftliche Idee ist zutiefst liberal. Sie akzeptiert ohne jede Einschränkung die Anreizmechanismen des Marktes. Aber sie verfolgt keine abstrakten Renditeziele. Sie ist auf Nachhaltigkeit und Förderung ausgerichtet. Die Mitglieder entscheiden in Selbstverantwortung und unter Selbstverwaltung. So stellt die Genossenschaft den Menschen als mündigen Bürger ins Zentrum ihres Handelns und sichert die Verträglichkeit ökonomischer Entscheidungen mit dem Gemeinwohl [...]" Der Jahresbericht zum Download findet sich hier.



Das Vorwort des Vorstandes im Wortlaut:


Liebe Mitglieder, verehrte Genossenschaftsfreunde!

Gut, dass es Genossenschaften gibt! Die genossenschaftliche Idee ist zutiefst liberal. Sie akzeptiert ohne jede Einschränkung die Anreizmechanismen des Marktes. Aber sie verfolgt keine abstrakten Renditeziele. Sie ist auf Nachhaltigkeit und Förderung ausgerichtet. Die Mitglieder entscheiden in Selbstverantwortung und unter Selbstverwaltung. So stellt die Genossenschaft den Menschen als mündigen Bürger ins Zentrum ihres Handelns und sichert die Verträglichkeit ökonomischer Entscheidungen mit dem Gemeinwohl.

Und das in einer Zeit, in der wir eine noch nie da gewesene gesellschaftliche Vertrauenskrise erleben, in der die Politik Entschlossenheit zeigen will und dies tut mit einem althergebrachten Instrument: der bürokratischen Keule zunehmender Regulierung mit den damit verbundenen Kollateralschäden. Besonders im deutschen Mittelstand, wo Tugenden wie Anstand, Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit noch zählen, brodelt es. Zumal Wirtschaft zu lange als mechanisches System begriffen wurde, das wie eine Maschine funktioniert. Der Mensch wurde als Ressource beschrieben, als Produktionsfaktor oder als DIN-genormter Konsument. Viele haben vergessen, dass er als mündiger Bürger, mit allen Rechten und Pflichten, mit allen Freiheiten und der Verantwortung für sein Handeln, Zentrum unserer Wirtschaftsordnung sein sollte.

Umso besser, dass es Genossenschaften gibt!

Wir sollten selbstbewusst sein. Dies gilt in ganz besonderer Weise für die Kreditgenossenschaften, die gut aufgestellt sind, ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung gerecht werden und dem Mittelstand sowie den Privatpersonen auch in der noch immer andauernden Wirtschafts- und Finanzkrise eng zur Seite stehen. Das Image der Genossenschaftsbanken ist gut, sie gewinnen Marktanteile. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Rheinland und Westfalen haben sogar für das abgelaufene Geschäftsjahr eines der besten Ergebnisse der Gruppe in der letzten Dekade vorgelegt! Die Kreditgenossenschaften haben einmal mehr gezeigt: Sie waren und sind die systemstabilisierenden Banken in der Krise.

Selbstbewusst sein – das können auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften zwischen Minden und Trier. Denn auch in Zeiten niedriger Rohstoffpreise können sich die Landwirte auf ihre genossenschaftlichen Unternehmen verlassen: Trotz des äußerst dürftigen Preisniveaus für landwirtschaftliche Erzeugnisse waren die Genossenschaften auch im vergangenen Jahr in der Lage, zum Wohle ihrer Eigentümer – der Landwirte – zu investieren. So haben die Warengenossenschaften in Rheinland und Westfalen im Schnitt an jedem zweiten Standort in das Kerngeschäft investiert. Getreideannahmen, Lagerkapazitäten oder moderne Technik – zusammen waren das etwa 50 Millionen Euro. Dies war nur möglich, weil die genossenschaftlichen Unternehmen sich trotz schwierigem Wirtschaftsjahr 2008 dem Strukturwandel optimal angepasst haben.

Mit Selbstbewusstsein dürfen auch die gewerblichen Handels- und Dienstleistungsgenossenschaften in die Zukunft gehen: Die genossenschaftliche Idee wird mehr und mehr zum Gründungsmotor eines auf die Tugenden der Selbsthilfe und Subsidiarität bauenden Mittelstandes. Mit 45 Neugründungen in Rheinland und Westfalen wurde im Jahr 2009 ein Rekord erreicht. Vor allem Ärzte schließen sich vermehrt in Genossenschaften zusammen, um ihre Einkäufe zu optimieren und gemeinsam als Dienstleister die Grundversorgung in den Städten sowie im ländlichen Raum weiter aufrechterhalten zu können. Völlig unbeeindruckt von der schlechten wirtschaftlichen Lage ist die Zahlder Neugründungen im Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen. Allein in den Jahren 2008 und 2009 verzeichnete der RWGV 18 Zugänge. Insgesamt zählen wir im RWGV derzeit 49 Gesundheitsgenossenschaften zu unseren Mitgliedern. Für das laufende Jahr erwarten wir, dass der Gründungsboom in dieser Branche sogar noch weiter anhält.

Der RWGV geht gleichermaßen selbstbewusst die Aufgaben der kommenden Jahre an. So wollen wir eine im vergangenen Jahr begonnene umfassende Kooperation mit dem Genossenschaftsverband Bayern (GVB)/München weiter mit Leben füllen. Die Kooperation umfasst alle Felder der Verbandsarbeit von der Prüfung über die Beratung in rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen bis hin zur Bildung und Interessenvertretung. Die positive Resonanz auf die ersten erzielten Ergebnisse stimmt uns zuversichtlich, dass wir mit unserer Kooperation den richtigen Weg eingeschlagen haben. Es ist unsere Überzeugung und damit ein zentrales Element unserer strategischen Überlegungen, dass wir die notwendige Nähe zu den Mitgliedern erhalten müssen. Wir setzen die bundesweiten Konzepte regional um, wir vertreten die Interessen der Genossenschaften in der Region. Es geht darum, Kosten gemeinsam mit anderen zu sparen und die Qualität der angebotenen Leistungen im Sinne der Mitglieder weiter zu steigern. Daher ist es ein wesentliches strategisches Ziel, auf Kooperationen mit anderen Verbänden und Verbundpartnern hinzuarbeiten. Und: Unsere Kooperation steht anderen Verbänden offen!

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